Gatekeeper 2.0: Digitale Meinungsführer und Multiplikatoren

Seit Erfindung des Buchdrucks haben sich die Rahmenbedingungen für Kommunikation in der Öffentlichkeit immer wieder verändert. In jeder Epoche gab es limitierende Faktoren und sogenannte Gatekeeper, die Informationen subjektiv nach Relevanz filtern und darüber entscheiden, was in welcher Form und Intensität thematisiert und verbreitet wird. In den Printmedien sind Journalisten und Redakteure die Gatekeeper, im Internet waren es bisher (Online-)Journalisten und Redakteure und aktuell entsteht der Eindruck, dass durch die Transparenz und die partizipativen Möglichkeiten des Web 2.0 keine Gatekeeper mehr existieren. Dies ist nur bedingt richtig. Zunächst entscheiden die Algorithmen der Suchmaschinen über Relevanz und Rang im Internet; und da bisher nur ein geringer Anteil der Internetnutzer in der Lage und/oder willens ist, journalistische Arbeit in Form von fundiert recherchierten und gut formulierten Artikeln beizusteuern, entscheidet eine neue Spezies von Gatekeepern über die Relevanz von Themen im Internet. Semantische Analysen in der Social-Media-Sphäre zeigen, dass einige Blogger die Rolle der Gatekeeper und damit Meinungsmacher (engl.: Opinion Leaders) übernommen haben. Bekennen sich diese beispielsweise zu einer Marke, einem Produkt oder einer Partei, hat dies im Netz insgesamt ein größeres Gewicht – nicht nur weil ihr Netzwerk in der Regel größer ist als das von weniger aktiven Usern, sondern auch weil ihre Empfehlung von den Freunden als besonders bedeutend eingestuft wird. Die folgende Tabelle zeigt die Veränderungen der Rahmenbedingungen in der öffentlichen Kommunikation der verschiedenen Epochen auf:

Abbildung: Kommunikation und ihre Rahmenbedingungen
Quelle: eigene Darst. in Anlehnung an Zerfaß, A.; Boelter, D. (2005), S. 84.

Quellen und Inspirationen:

Zerfaß, A.; Boelter, D.: Die neuen Meinungsmacher. 1. Aufl., Graz: Nausner & Nausner 2005.