Weird Practice: Facebook Lolita-Marketing (Linkbaiting, Affiliate-Programme)

Affiliate-Programme sind etwas Sinnvolles, funktionieren Sie doch nach dem Prinzip “Bringst Du mir Impressions, Klicks, Leads, Umsatz oder neue Mitarbeiter so sollst Du fürstlich entlohnt werden.” Bei der Recherche für mein aktuelles Buchprojekt  (es ging eigentlich um das Kapitel “Social Lead-Generation”)  ist mir aber ein Fall über den Weg gelaufen, der aus meiner Sicht befremdlich ist. Und das kam so: Ich wollte wissen wieviele Facebook-User wohl an einem Freitag Nachmittag sich mit Ihren “Freunden” an Ihrer (public) Pinnwand bzw. in Ihren (public) Kommentaren über das Thema “Zinsen” austauschen. Dazu suchte ich per Facebook Graph API (http://developers.facebook.com/docs/api) nach dem Begriff “Zinsen ?”.

Neben zahlreichen Beiträgen, die als Werbeeinblendungen eindeutig erkennbar waren, stachen mir die Facebook-Nutzer Sandra, Mandy, Kerstin, Karolin, Jasmin und Franziska ins Auge, die (natürlich) rein zufällig zum gleichen Zeitpunkte folgenden Post auf Ihrer Pinnwand abgesetzt hatten:

Bei einem kurzen Besuch auf den jeweiligen Profilen fällt auf: offensichtlich stocken sich die jungen Damen als Affiliate-Partner für Single-Börsen (Partner.de, Friendscout24.de), Finanzdienstleister (bankofscotland.de), Mobiltelefonanbieter (simplytel.de) ihr Taschengeld auf – und haben zufälligerweise alle dieselben URLs als “Webseite” angegeben (die natürlich zu entsprechenden Landing-Pages führen) . Oder vielleicht ist es auch ganz anders?

Nun wollte ich mehr wissen und habe die jungen Damen als “Freunde” hinzugefügt – einige mit einer kurzen Nachricht “Affiliate Phantom?” bei der Freundschaftsanfrage, eine (Mandy) ohne Nachricht. Ich bin nun mit Mandy befreundet (Wohoo!), die meinen Pinnwand-Eintrag auch gleich “geliked” hat.

Offensichtlich wurden diese Profile von übereifrigen Affiliate-Marketing Profis aufgesetzt (lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen), garniert mit Bildern von Nutzern (sagen wir eher mal “barely legal teens” – wenn überhaupt), die nichts von Ihrem Glück wissen (daher habe ich hier die Personen unkenntlich gemacht) und die inhaltlich wohl an die “niederen Instinkte” einsamer Männer appellieren sollen. Soweit ist das nichts Neues – so finanziert sich schliesslich das Internet zu einem sehr großen Teil.

Aus Sicht eines Werbetreibenden ist es allerdings nicht egal, mit welchen Mitteln “Werbepartner” Linkbaiting betreiben – erst recht nicht als Finanzdienstleister, dem Seriösität wichtig ist. Nachdem ich das Geldinstitut auf die Situation aufmerksam gemacht hatte kam auch eine rasche Rückmeldung ”..danke für den Hinweis. Diese Werbeform auf Facebook wird nicht von uns unterstützt und fand ohne unser Wissen statt. Es sollte nach unseren Erkenntnissen zur Zeit auch nicht mehr live sein.” Gut so.